Bauhaus im Ural: von Solikamsk bis Orsk

Internationale Konferenz: Architektur und Denkmalpflege der Moderne als sozialpolitischer Auftrag in Deutschland und Russland. Jekaterinburg, November, 12.-16, 2007.

Русский
Die Konferenz stieß bereits im Vorfeld und danach auf ein breites Interesse von Spezialisten aus beiden Ländern sowie in der russischen Öffentlichkeit der Region – auch der administrativen Organe. Stadtverwaltung, Kulturministerium, Staatsarchive stellten sich als Beteiligte, Beobachter, Gesprächs- und Diskussionspartner zur Verfügung. Durch gezielte Ansprache und spezielle Ausarbeitung von Informationen und Material hatten auch Printmedien und Rundfunk ihren Anteil an der Vermittlung der Konferenzthemen und -inhalte. Zeitschriften in Jekaterinburg (VESI) und St. Petersburg (NOMI) sowie die Architekturakademie hatten seit dem Sommer Inhalt, Ziele und Programm der Konferenz vorgestellt. An allen drei Konferenztagen waren die Sektionssitzungen (zur Geschichte, den deutsch-russischen Wechselbeziehungen und dem Umgang mit dem gemeinsamen Erbe heute) gut besucht, auch von Studenten und Lehrkräften der Akademie. Die Ausstellungen in der Akademie zählten während und nach der Konferenz mehr als 1500 Besucher.
Offizielle Teilnehmer der Konferenz aus Russland waren zwölf Referenten, zwei Exkursionsführer und drei Gäste (17 Pers.), aus Deutschland kamen sechs Referenten, ein Vorträger aus den Niederlanden. Mit den Vertretern des Moskauer Büros der Luxemburg-Stiftung, dem deutschen Generalkonsul, des Rektorats von UralGAChA sowie der Kuratorin f. Organisation betrug dieser feste Teilnehmerkreis 30 Personen.
Es wurden 20 Vorträge plus 4 Einleitungsreden gehalten; auf der Abschlusssitzung sprachen acht Redner.
Mit der Direktorin des Berliner Bauhaus-Archivs, Dr. Annemarie Jaeggi, dem Chefrestauratoren des Bauhaus-Weltkulturerbes in Dessau, Architekt Winfried Brenne, dem Dozenten des Lehrstuhls für Denkmalpflege der Bauhaus-Universität Weimar Mark Escherich, der Autorin und Mitherausgeberin der aktuellen Forschungspublikation "Städtebau im Schatten Stalins" Dr. Christiane Post sowie dem Ex-Kultur- und Wissenschaftssenator von Berlin Dr. Thomas Flierl wie auch dem Stellvertretenden Docomomo-Chef von Russland, Dr. Ivan Nevzgodin, der Begründerin des Zentrums für die Architektur des Neuen Bauens an der Uraler Architekturakademie Ludmila Tokmeninova, aber auch den Kollegen der Permer Denkmalschutzorganisation sowie weiteren Spezialisten aus Magnitogorsk, Orsk, Tscheljabinsk, Solikamsk war der Referentenkreis auf beiden Seiten durch Vertreter unterschiedlicher Professionen hochkarätig besetzt.

Ziele der Konferenz waren:

Erstmals einen Überblick über die Wege und Leistungen von 16 im Ural lebenden und projektierenden Bauhäuslern zu geben, deren Bauten seit Jahrzehnten größtenteils anonym bzw. unter einer anderen Autorschaft stehen. Sie sind zwar bewohnt, aber werden aber nicht gepflegt und sind teilweise von der Zerstörung durch Umbau oder Abriß bedroht. Schuld an dieser Lage ist auch ihre bisher unzureichende Dokumentation und Vermittlung in der russischen Öffentlichkeit.
Diese Bauten sind als Gemeinschaftsprojekte von sowjetischen und deutschen (bzw. holländischen) Architekten als soziale wie kulturell-ästhetisch funktionale, demokratische Bauwerke zu kennzeichnen. Ihr Schutz und Erhalt ist nicht nur aus historischen Maßstäben eine notwendige Forderung, sondern hat auch aktuelle Bedeutung: Denn nur ein Fünftel der russischen Bevölkerung (!) besitzt heute die Möglichkeit, Wohnraum zu erwerben (durch Mietung oder Kauf). Dies steht in krassem Gegensatz zum enormen Bauboom der letzten Jahre in russischen Großstädten. Einseitig bedient er das Klientel der Neureichen, der alten und neuen Nomenklatura – mit elitär ausgestatteten Gebäuden hinter hohen Zäunen, eine Minderheit als Parallelgesellschaft zum überwiegenden Teil der russischen Bevölkerung. Dieser verhängnisvolle Trend wurde von der russischen Regierung zwar erkannt, ist aber noch nicht gestoppt. Sogar vorhandene Gesellschaftsbauten (Kindergärten, Schulen, Kinos, Kulturhäuser, Bäder, Erholungsparks) werden noch immer umfunktioniert in luxuriöse Klubs, Restaurants, Spielotheken, Bordelle oder Büros. Eine spürbare Öffentlichkeit, die sich gegen solche Pläne und Aktivitäten zur Wehr setzt, gibt es nicht. Im Dschungel der willkürlichen Übernahmen ohne jedwede Transparenz und Diskussion sind selbst die kommunalen und staatlichen Kontrollorgane zu schwach bzw. überfordert.
Die Arbeit und öffentliche Präsenz des Laboratoriums der problematische Architektur von UralGAChA und des dort angesiedelten Zentrums für die Architektur des Neuen Bauens, die mit diesem Konflikten ursächlich beschäftigt sind, ist zu stärken.
Die Wahl auf die Uraler Akademie für Architektur und Kunst (UralGAChA) fiel nicht unbedacht: Östlich von Moskau ist sie die größte Lehreinrichtung mit über 3 000 Studenten der Architektur, des Designs und der Bildenden Künste. Rektor A. A. Starikov förderte von der ersten Begegnung an das Konferenzprojekt und wünscht sich für die Zukunft eine Verstärkung der Information, Konsultation und des Austausches mit deutschen Erfahrungen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Denkmalpflege. Viele Lehrkräfte und Studenten nutzten die Gelegenheit zum Besuch der Veranstaltungen. Große Aufmerksamkeit fanden die Ausstellungen im Umfeld der Konferenz. Die studentische Zeitung "Student" widmete unserem Projekt eine ganze Seite ihrer Ausgabe.
Im Vorfeld der Konferenz wurde seit Januar 2007 größtenteils ehrenamtlich eine vielfältige wissenschaftliche, organisatorische und Öffentlichkeitsarbeit geleistet. So entstand mit Unterstützung der Fotoaufnahmen durch die Moskauer Filiale der Rosa-Luxemburg-Stiftung der folgende Diafilm, der zur Eröffnung der Konferenz Premiere hatte:

Das ungeschützte Erbe des Uralmasch: OSA und Bauhaus
Diafilm, 10 min. über die sieben Gebäude der Sozgorod des Uralmasch, die unter Beteiligung des Bauhausarchitekten Bela Scheffler errichtet wurden
© Astrid Volpert, Ludmila Tokmeninova und Nikolaj Botschenin unter Mitwirkung von Nina Obuchowa

Auf Kosten der jeweiligen Kuratoren bzw. Leihgeber wurden vier parallele Ausstellungen konzipiert, recherchiert und aufgebaut:

1. Konstruktivistische Gebäude und Komplexe in der Stadt Jekaterinburg – Dokumente aus dem Staatsarchiv des Swerdlowsker Gebietes

13. bis 16. November 2007, Ausstellungssaal UralGAChA
Kuratorin: Ludmila Tokmeninova
Einführung zur Eröffnung: Ludmila Tokmeninova und Olga Bucharkina, in Anwesenheit des Direktors des Staatsarchivs, A.A. Okunev

2. Orsk und Magnitogorsk

13. bis 16. November 2007, Museum der Geschichte und Industrietechnik des Ural
62 Aufnahmen des Fotografen Nikolaj Botschenin, Jekaterinburg zum aktuellen Zustand der Bauten von Bauhäuslern in Orsk und Magnitogorsk, Aufnahmen September/Oktober 2007
Kuratoren: Ludmila Tokmeninova und Nikolaj Botschenin, Jekaterinburg
Einführungen zur Eröffnung: L. Tokmeninova, Frau Nishnik (Landeskundemuseum Orsk), Prof. Fedosichin (TU Magnitogorsk)

3. Erich Borchert: Kamensker Zyklus. Ausstellung zum 100. Geburtstag des Künstlers und Bauhaus-Architekten (1907-1944)

14. 11. – 23.11. 2007, Bibliothek des UralGAChA
Über 20 Karikaturen und persönliche Dokumente des Bauhaus-Malers und –Architekten aus dem privaten Nachlaß der Familie, Moskau
Kuratoren: Svetlana Gavrilova, Kamensk Uralskij und Ivan Koltschenko, Moskau
Fotograf: Alexander Dogajev, Moskau

4. Architektur des Neuen Bauens in Swerdlowsk/Jekaterinburg

12. November bis 10. Dezember 2007, Zentrum der Architektur des Neuen Bauens, UralGAChA
Kuratoren: Ludmila Tokmeninova und Nikolaj Botschenin, Jekaterinburg
11 Fotografien und 3 Zeichnungen von Ensembles des Konstruktivismus in Jekaterinburg

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